Tödlicher Föderalismus

Vor einem Jahr, anfangs März 2009 wurde Lucie Trezzini ermordet. Sie wurde zu einem Opfer des Föderalismuses und des Justizwesens.
Ihre Mörder hätte gar nicht frei herumlaufen dürfen und die Polizei nicht die Fahndung nach ihre behindern sollen.
Dani H. hätte gar nicht in Freiheit sein dürfen. Er war ein auf Bewährung entlassener Gewalt- und Sexualtäter. Obwohl Dani H. gegen die Bewährungsauflagen verstiess, wurde er nicht wieder in Haft gesetzt.
Er verlor seine Arbeitsstelle, war drogenabhängig und liess einen Entzugstermin platzen.
Da weder die Gefährlichkeit von Dani H. im Arxhof durch externe Fachleute abgeklärt wurde, noch die Aargauer Behörden und die kantonalen Polizeikorps über seine Gefährlichkeit aufgeklärt wurden, nahm das Verhängnis seinen Lauf.
Eine Mischung aus Föderalismus, Personalmangel, Kuscheljustiz und behördliches Laissez-faire kostete Lucie Trezzini das Leben.
Der nachträgliche Befund der Kommission, die den Fall untersucht hat, ist das niemand schuld an dem Versagen der Behörden ist.
Obwohl Lucie Trezzini Tod ist, hat niemand Schuld an ihrem Tod, der zu vermeiden gewesen wäre.
Mittlerweile ist üblich, dass wenn Politiker, Behörden und Manager versagen niemand schuld hat.

Allein?: Die Polizei hat Sie nicht unterstützt?
Nicole Trezzini: Am Anfang wenig. Als Lucie an jenem Mittwoch eineinhalb Stunden nach der abgemachten Zeit nicht auftauchte, meldete sich der Gastvater um 23 Uhr bei der Schwyzer Polizei. Man sagte ihm, er solle am nächsten Morgen um 8 Uhr wiederkommen. Das tat er, doch den ganzen Donnerstag über passierte nichts.
Roland Trezzini: Verzweifelt telefonierte ich den ganzen Tag herum, um herauszufinden, wer sich um die Fahndung kümmert. Stellen Sie sich vor: Ein zuverlässiges Mädchen ohne persönliche Probleme verschwindet. Nichts deutet darauf hin, dass sie verunfallt oder abgehauen ist. Doch niemand ist da, um uns anzuhören. Die Zürcher Polizei hat gesagt, sie sei nicht zuständig. Ich telefonierte mit der Freiburger Polizei, die mich an die Schwyzer Kollegen verwies. Schwyz sagte, ich solle mich in Freiburg melden.
Nicole Trezzini: Am Freitag, zwei Tage nach dem Verschwinden, fuhren wir nach Baden. Wir hängten selbst gemachte Vermisstenanzeigen auf. Wir wussten nicht, dass Lucie zu diesem Zeitpunkt bereits tot war. Die Polizei befahl uns, unsere Plakate wieder zu entfernen.
Roland Trezzini: Die Aargauer Polizei wusste noch nicht einmal, dass Lucies Handy zuletzt in Baden geortet worden war. Wir schlugen vor, selber Aufnahmen von Überwachungskameras durchzusehen. Doch es stand bei der Polizei niemand zur Verfügung, der uns anleiten konnte. Es dauerte mehrere Stunden, bis die Fahndungsbilder Lucies auf Homepages aufgeladen wurden. Als wir uns in unserer Verzweiflung beschwerten, hiess es: Lassen Sie uns bitte noch etwas Zeit. Das alles sind Anekdoten. Das Einzige, was wir heute tun können, ist verhindern, dass andere verzweifelte Angehörige auf ähnliche Hindernisse stossen.
Tagesanzeiger: Wir werden um Lucie weinen. Immer

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